
Thomas Jung, M.A.
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Thomas Jung: XING

Originaltext aus der Esslinger Zeitung: Eine Rampe am Eingang, ein Aufzug und eine behindertengerechte Toilette machen ein Gebäude barrierefrei. Doch was ist eine barrierefreie Homepage? Die Firma Biloba IT aus Sulzgries entwickelt seit dreieinhalb Jahren Internetseiten, die auch Blinde und Behinderte ohne Einschränkung nutzen können.
Dank technischer Hilfe steht das Internet heutzutage auch Blinden und Sehbehinderten offen. „In der Regel verwenden sie dafür ein Vorleseprogramm, das die Texte in Sprache überträgt“, erklärt Ralf Lohrmann (31), einer der beiden Gründer der Firma Biloba IT. Das Ganze funktioniert allerdings nur dann, wenn bei der Programmierung der Website bestimmte Regeln eingehalten wurden, doch daran hapert es oft. Dann kann es passieren, dass statt der Navigationsleiste zuerst die Fußnote vorgelesen wird oder der Text mittendrin abbricht. Auch andere Handicaps können bei der Internetnutzung zum Problem werden: „Jemand, der zum Beispiel aufgrund einer Krankheit stark zittert, sollte eine Internetseite statt mit der Maus auch über die Tastatur bedienen können“, erklärt Lohrmanns Kompagnon Maik Balleyer (33). Auch das funktioniert jedoch nur, wenn die entsprechenden Befehle vorher programmiert worden sind.
Bei Google ganz vorne
Viele Internetseiten stecken noch voller virtueller Stolpersteine. Diese aus dem Weg zu räumen, ist das Ziel der Firma Biloba IT. Die beiden Gründer haben an der Hochschule Esslingen Softwaretechnik studiert und sich vor sechs Jahren während eines Praktikums kennengelernt. „Wir wollten uns gerne selbstständig machen, aber nicht nur, um damit Geld zu verdienen, sondern auch um etwas Sinnvolles zu erreichen“, sagt Lohrmann. So wurde die Idee mit den barrierefreien Websites geboren. Wobei die Barrierefreiheit als einziges Verkaufsargument wohl zu wenig wäre, um die Kunden zu überzeugen. Die behindertenfreundliche Programmierung hat aber noch einige angenehme Nebeneffekte. So eignen sich die Websites zum Beispiel sehr gut für die Darstellung auf modernen Smartphones. Außerdem landen sie bei Google und anderen Suchmaschinen weit vorne. „Das liegt daran, dass Google ähnlich wie ein Vorleseprogramm für Blinde arbeitet“, erklärt Lohrmann. Die Suchmaschine durchforste automatisch das Netz. Wo sie wegen Programmierfehlern nicht weiterkomme, steige sie aus, und die entsprechenden Inhalte würden dann auch nicht angezeigt. Eine barrierefreie Website werde dagegen komplett von der Suchmaschine ausgewertet und lande deshalb weiter vorne.
Im übrigen seien behindertengerechte Internetseiten wegen ihres strukturierten Aufbaus in der Regel auch für Menschen ohne Behinderung einfacher zu bedienen, sagt Lohrmann. Und die Zeiten, in denen Barrierefreiheit gleichbedeutend mit einer spartanischen Grafik war, seien ohnehin längst vorbei.
Einfache Aktualisierung
Für ihre Kunden, überwiegend kleine und mittelständische Unternehmen, programmiert die Agentur aber nicht nur den Internetauftritt, sondern liefert ihnen dazu auch noch ein selbst entwickeltes, so genanntes Content Management System (CMS), mit dem die Firmen die Inhalte ihrer Seite ohne besondere Fachkenntnisse jederzeit aktualisieren und ergänzen können - natürlich barrierefrei. Und wer außerdem noch bei Google werben will, ein Firmenlogo oder neue Visitenkarten braucht, dem bietet Biloba daneben auch noch die klassischen Leistungen einer Werbeagentur an. Rund 70 behintertengerechte Internetauftritte hat das Unternehmen bis jetzt realisiert. Und die beiden Gründer rechnen mit guten Zukunftsperspektiven. Für die Internetseiten von Bundesbehörden ist Barrierefreiheit bereits gesetzlich vorgeschrieben. „Es wird der Tag kommen, an dem die EU vorschreibt, dass auch jeder Onlineshop für Blinde zugänglich sein muss“, prophezeit Ralf Lohrmann. Dann könnte die große Stunde der Esslinger Unternehmer schlagen. Im Moment will die Drei-Mann-Firma aber nur moderat wachsen: Gerade sind Balleyer und Lohrmann auf der Suche nach größeren Büroräumen und im Herbst wollen sie erstmals einen Azubi einstellen.
Autor: Kornelius Fritz
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